Schwertransport | Giganten unterwegs

Schwertransport | Giganten unterwegs


Sie sind extralang, extrabreit oder auch extraschwer
– und vor allem nicht zu übersehen. Schwertransporte sind längst zu einem unverzichtbaren
Faktor geworden, wenn es darum geht, übergroße Maschinen, gewaltige Aggregate oder riesige
Bauteile pünktlich vom Hersteller an ihren Bestimmungsort zu bringen. Universal Transport wickelt Nacht für Nacht
etwa 300 solcher Schwertransporte ab. Damit gehört das Unternehmen innerhalb Europas
zu den Marktführern in diesem Bereich. Über 350 Zugmaschinen und eine ebenso große
Menge an Spezialaufliegern sind erforderlich, um diese Taktung aufrecht zu erhalten. „Wir zählen ja alles zum Schwertransport,
was über den konventionellen Bereich hinausgeht, also alles, was über Standard-Lkw hinausgeht. Was länger ist als 16,50 m im Sattelbereich,
2,55 m Breite überschreitet, höher als vier Meter ist oder schwerer als 40 Tonnen Gesamtgewicht,
das ist Großraum- und Schwertransport. Und dementsprechend, wenn wir Europa zusammenzählen,
wo wir vertreten sind in Tschechien und in Polen beispielsweise, kommen wir auf eine
Zahl von über 300 Transporten, die wir jede Nacht auf der Straße haben“ Größte Herausforderung in der Vorbereitung
und Durchführung dieser Transporte ist eine oft wochenlange Logistik. Jeder Meter, den ein Schwertransport zurücklegen
muss, ist exakt festgelegt. Damit sollen Beeinträchtigungen oder Gefahren
für andere Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich gehalten und auch Beschädigungen
des Straßennetzes ausgeschlossen werden. Egal, was per Schwertransport durch die Nacht
gefahren wird: Jeder Transport ist eine echte Herausforderung. Selbst Routine und jahrzehntelange Erfahrungen
ändern daran nichts. Das wissen auch die Fahrer von Universal Transport,
die mit Begeisterung bei der Sache sind. „Ja, weil ich jeden Tag eine andere Ladung
hab, ne andere Strecke. Gucken, wie mach ich die Ladungssicherung. Ob ich jetzt einen Flügel fahre oder ein
Betonteil oder, wie jetzt, ein Brückenteil. Es ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Ich sag mal so, wenn ich jetzt irgendwo fahre,
oder wenn ich privat unterwegs bin und sage guck mal da, der Windpark, da habe ich die
Flügel gefahren, da hat unsere Firma die komplette Ablage gestellt oder eine Brücke. Oder wo ich sage, guck mal da, wo wir jetzt
drüberfahrenn, die hab ich transportiert“ Diesmal werden zwei sechs Meter breite Brückenteile
mit einer Länge von jeweils 30 Metern von Magdeburg nach Berlin gebracht. Nur langsam bewegt sich der Convoy in Richtung
Autobahn. Die Strecke ist rund 200 Kilometer lang und
führt durch drei Bundesländer. Sechs Meter Transportbreite, das bedeutet,
dass der Schwertransport durchgehend zwei Fahrspuren der Autobahn 2 in Beschlag nimmt. Sogenannte BF 3 Begleitfahrzeuge und Streifenwagen
der Polizei sichern den nächtlichen Transport ab. Aber, was ist das überhaupt für ein Gefühl,
bei Transporten mit solchen Abmessungen hinter dem Lenkrad zu sitzen? „Also 6,20 m ist schon eine Breite. Das heißt, wir müssen ja eine zweispurige
Autobahn nehmen wir komplett. Da ist man ständig am Hin- und Hergucken. Obwohl man sieht nicht viel im Spiegel. Man kann so ein bißchen versuchen, drunter
her zu gucken. Aber das darf man nie außer Acht lassen,
dass man hier wirklich mit Breite unterwegs ist. Versucht noch mal ein Pkw durchzukommen, das
geht nicht. Da, das darfst Du keine Minute vergessen” Über 65 Jahre Erfahrung in Kombination mit
der Spezialisierung auf die Branchen Bauwirtschaft, erneuerbare Energien, Schienenfahrzeuge, Maschinen-
und Anlagenbau, Großfahrzeuge, Silo und Aero sorgen bei Universal Transport für viel Routine
bei den Abläufen. Doch jeder Transport hält Überraschungen
bereit. Hier ist eine Straßenbahn nach einer technischen
Kontrolle von Wegberg am Niederrhein auf dem Weg nach Potsdam unterwegs. Doch, schon auf die Autobahn zu kommen, ist
kein leichtes Unterfangen, wobei das Abmontieren von Schildern noch vergleichsweise einfach
ist. Hier stockt der Transport, weil die Auffahrt
auf die A 52 einfach zu eng ist. Eine Nacht später und 400 Kilometer weiter
das nächste Problem. Bei der Übergabe des Transportes in Brandenburg
ist, wie so oft, die Raststätte hoffnungslos überfüllt. Auch hier hilft nur Improvisieren. Die Polizei nimmt den Transport auf dem Seitenstreifen
in Empfang. Ein nicht ganz ungefährliches Manöver! „Man muss immer nach hinten aufpassen, dass
da nicht irgendwo ein Eingeschlafener auf dem Standstreifen weiterfährt. Sonst würden wir alle hier nicht mehr Stehen. Also immer die Augen dahinten hin. Und mit der Polizei die Übernahme machen. Und dann geht es ruck-zuck weiter hier. Da sparen wir uns die Zeit, um eine ganze
Stunde uns über den Rasthof zu quälen. Ich hab jetzt schon da hinten einige Lkw-Fahrer
geweckt. Das war natürlich umsonst, weil wir wieder
rausgefahren sind rückwärts. Das geht aber auch nur mit Polizei, rückwärts
herausfahren“ Doch Probleme sind dazu da, um gelöst zu
werden. Don’t worry, be heavy, heißt es bei der
Firma Universal Transport. Und das gilt häufig auch, wenn ein Schwertransport
die Autobahn verlassen hat und seinen Weg durch das Labyrinth der engen Innenstädte
nehmen muss. Bei jedem Transport ist es neben der Erfahrung
das besondere Zusammenspiel zwischen den Besatzungen von Streifenwagen und vor allem mit den Fahrern
der Begleitfahrzeuge, wodurch ein sicheres Ankommen erst möglich wird. „BF 3, das sind unsere Augen hinten. Ich sag mal, man muss sich drauf verlassen
können. Und weil ich sehe ja wirklich gar nichts. Und er muss mir wirklich sagen, komm, links,
rechts, mach mal n bißchen. Also die sind wirklich sehr sehr wichtig,
die BF3-Fahrer, weil ohne den geht’s nicht“ Im Alltag machen der Schwertransportbranche
aber auch aufwendige Genehmigungsverfahren und bürokratische Hürden zu schaffen. Nicht selten sorgt dies sogar dafür, dass
die Durchführung eines Transportes für den Auftraggeber mit vielen Risiken verbunden
ist. Hier drängt das Unternehmen auf eine Harmonierung
bislang unterschiedlicher europäischer Vorschriften. „Das Verfahren selber muss ja in unseren
Augen verbessert werden. Wir leben im Föderalismus. Viele Länder, viele Meinungen. Auch das Bundesverkehrsministerium hat sich
sicherlich auch mal der Sache angenommen. Die Frage ist ganz einfach – wie kriegen
wir den Knoten durchgeschlagen? Ich glaube, dass wir einfach auch mal in anderen
Ländern gucken müssen, also anderen europäischen Ländern, wie es da gehandhabt wird. Vielleicht müssen wir über Kategorien oder
ähnliches nachdenken. So ist es sicherlich ein Riesenthema, denn
letztendlich warten nicht wir als Spediteure auf die Genehmigung, sondern unsere Kunden“ Dagegen ist der größte Wunsch der Fahrer
von Schwertransporten im Alltag auf der Straße schon viel leichter umsetzen. Sie bitten um ein wenig mehr Rücksichtnahme
und vor allem erhöhte Aufmerksamkeit, wenn sie mit ihren XXL-Transporten unterwegs sind.