Jobtausch: Oberfränkische Würstelverkäufer in den USA | Mein Job – Dein Job | BR

Jobtausch: Oberfränkische Würstelverkäufer in den USA | Mein Job – Dein Job | BR


. Untertitelung: BR 2019 Pommes und Burger bringen zwei Bayern in einem amerikanischen 50er-Jahre
Diner gehörig ins Schwitzen. Wenn ich das mit zu Hause
vergleiche, ist das nicht so extrem. Im Gegenzug dreht sich
in Neustadt bei Coburg alles um die fränkische Bratwurst. Ich hab eine fallen lassen. Ich fürchte, ich ein paar mehr. Heute bei MEIN JOB – DEIN JOB:
Bratwurstgriller gegen Burgerbrater. Kulinarisches Neuland
für beide Seiten. Du musst das genauso zärtlich
anfassen wie ein Baby. Im Regierungsbezirk Oberfranken
liegt Neustadt bei Coburg. Für viele der rund 15.000 Einwohner gibt es kaum etwas Besseres
als die fränkische Bratwurst. Die gibt’s auch
in der kleinen Bratwurstbude direkt vor der Produktionshalle
der Traditionsmetzgerei Luther. Seniorchef Ralf Luther ist stolz
auf sein Familienunternehmen, das mit seinem Sohn
und gleichzeitig Juniorchef Christian nun schon in der vierten
Generation besteht. Die Bratwurst ist
eines der Aushängschilder auch für den Fremdenverkehr,
für den ganzen Landkreis Coburg. Lehrling Gunnar Flessa liegt besonders die sorgfältige
Herstellung der Bratwürste am Herzen. Bei uns ist alles Handwerk. Wir haben keine Zerlegebänder,
die automatisch unser Vieh zerlegen. Dann vor allem
die Zubereitungsweise: Dass auf offenem Feuer
gegrillt wird, Buchenholz. Dass die außen schwarz
und innen roh sind, stimmt nicht. Sie müssen eine gute
dunkle Farbe haben. Ich glaub, die Kombination
macht das Aroma aus. Die Metzger verarbeiten
rund fünf Tonnen Fleisch pro Woche. An manchen Tagen werden hier
bis zu 1000 Würste produziert. Was ist dein endgültiger Tipp,
wo es hingeht? USA.
– Ich sag Brasilien. Was brät man in Brasilien?
– Wahrscheinlich keine Bratwurst? Nein, aber Rindfleisch
machen sie doch viel, oder? Geselle Hannes Rempel
ist seit vier Jahren bei Luthers. Sind die fertig,
kann ich die mitnehmen? Der 25-jährige kann sich ein Leben
ohne Bratwurst nur schwer vorstellen. Das ist bei uns in der Region
so verankert. Ich und meinen Kumpels
gehen freitags nach der Arbeit eine Bratwurst essen. Im Sommer beim Grillen
gehört die Bratwurst auch dazu. Zusammen mit Gunnar will Hannes im Ausland was anderes
als Bratwurst serviert bekommen. Man sieht Zeug,
das man als Tourist nicht siehst. Das ist das, was mich interessiert.
USA wäre das Highlight. Für die beiden Luther-Chefs sind Hannes und Gunnar die erste Wahl
für die Reise ins Unbekannte. Hannes ist ein zuverlässiger
Mitarbeiter. Auf den kann man
sich immer verlassen. Gunnar ist noch in der Ausbildung,
aber top motiviert. Er geht richtig in dem Beruf auf. Er ist der Richtige, um auf diese
tolle Reise geschickt zu werden. Was Hannes und Gunnar
noch nicht wissen: Die Reise geht tatsächlich
in die USA. Und zwar ins Parkette Drive-In Diner
in Lexington im Bundesstaat Kentucky. Die Fischboxen zuerst.
In fünf Minuten müssen die raus. In der Küche gibt Chef Randy Kaplan
den Ton an. Die gesamte Küchencrew
hört auf sein Kommando. Randys Diner ist ein Eldorado
für Fast-Food-Fans. Die Spezialität des Hauses:
Der Burger “Poor Boy”. Wir haben frittiertes Huhn, Burger, Fisch, Shrimps, Schwein,
Huhn, Rinderfilet. Wir haben alles.
Wir haben auch Gegrilltes. Es ist nicht alles frittiert,
aber es schmeckt besser frittiert. Eine von Randys 28 Mitarbeitern
ist seine Stieftochter Billie-Jean, die im Service arbeitet. Das wollte ich Ihnen
gerade empfehlen. Aber Sie wissen schon selbst,
was gut ist, stimmt’s? Ich liebe alles im Parkette. Das Essen, die Kunden,
die Angestellten, mit meiner Familie
zusammenzuarbeiten. Ich hatte noch nie
einen schlechten Tag hier. Es fühlt sich nicht an wie Arbeit. Für die Gäste, die ihr Essen lieber
bequem im Auto bestellen wollen, ist Randys Frau Kimberly
verantwortlich. Was darf’s sein? Einen Spare-Tire-Burger, bitte. Nur den Burger?
– Nur den Burger, ja. Es geht nicht amerikanischer
als das Parkette Drive-In. Hier leben die 50er-Jahre noch. Es ist wie eine Zeitreise
in eine Ära, die jeder liebt. Es ist einfach ein Wohlfühlort. Weder Kimberley noch Billie-Jean
waren jemals in Europa. Die Reise nach Bayern
ist auch sonst eine Premiere. Ich finde es großartig,
mit meiner Mutter zu verreisen. Wir sind tatsächlich
noch nie zu zweit verreist. Ohne unsere Männer.
Und ich bin das einzige Kind. Das wird eine tolle
Mama-Tochter-Zeit für uns. In Oberfranken ist es Zeit
zum Abschied nehmen. Freunde, Kollegen und auch
die Familien von Hannes und Gunnar sind gespannt, wohin die Reise geht. Jetzt langsam geht es schon
ein bisschen ab. Ich bin bei 20%, also noch … Wir können nicht mehr erwarten,
dass der Umschlag aufgeht. Wir haben sämtliche Spekulationen
beendet und sind heiß drauf, dass wir
das Kuvert aufmachen dürfen. Ja, Hannes und Gunnar. Ich glaub, die Spannung
hat ihren Höhepunkt erreicht. Es ist so weit. Wir sind stolz darauf,
dass ihr ausgewählt worden seid, auf diese tolle Reise zu gehen. Ich bin stolz darauf,
dass ich dieses Kuvert öffnen darf. Also schreiten wir zur Tat:
Wir machen das jetzt langsam auf, oder sollen wir noch
ein bisschen warten? Ich hab es schon gesehen.
– Ich glaub, ich auch. Sollen wir jetzt
das Geheimnis lüften? Es geht in die USA. Um das etwas genauer zu sagen:
Es geht nach Lexington in Kentucky. Das wird wild. Der Wunsch ist
in Erfüllung gegangen. Jetzt freuen wir uns alle mit. Nach Amerika kommt man nicht
jeden Tag, das ist eine super Sache. Hannes und Gunnar müssen sich nun
von ihren Familien verabschieden. Genieß es. Dann geht es auch schon
Richtung Flughafen und ab in ein kulinarisches
Abenteuer. Auch in Lexington machen sich Kimberly und Billie-Jean
bereit zur Abreise. Für sie ist es nicht nur
ein Abschied von den Kollegen, sondern auch
von Familienoberhaupt Randy. Ich bin sehr stolz auf euch beide. Ich liebe euch beide
und werde euch vermissen. Ich finde es wunderbar,
dass ihr nicht nur das Parkette und Kentucky repräsentieren werdet,
sondern die USA. Ihr werdet sicher
eine wunderbare Zeit haben. Ich bin stolz auf euch und ich weiß, dass ihr uns mit Ehre
vertreten werdet. Ich liebe euch beide. Es ist zwar nur eine kurze Zeit,
aber es ist trotzdem traurig. Wir verlassen den Ort,
an dem wir aufgewachsen sind. Es wird anders sein dort drüben,
aber auch gut. Das erste Mal in ihrem Leben verlässt die 28-jährige Billie-Jean
nun die USA. Amerika. Für viele das Land
der unbegrenzten Möglichkeiten. Kentucky liegt im Südosten
der Vereinigten Staaten. Hier wurde auch Präsident Lincoln
geboren. Lexington ist eine Universitätsstadt. In dieser Gegend wird auch
das Kentucky-Derby ausgetragen. Am Flughafen der Stadt wartet Randy
bereits auf seine Tauscharbeiter. Er rechnet fest mit zwei Frauen. Ich erwarte
zwei typisch bayerische Frauen mit Lederhosen
und Bierkrügen in der Hand. Und sie bringen mir Bratwürste. Wenn das nicht so ist,
hab ich keine Ahnung. Diese Anforderungen können Hannes
und Gunnar leider nicht erfüllen. Welcome to America.
– Nice to meet you. Welcome to Lexington in Kentucky. Guten Morgen and welcome.
I’m Randy. I’m Gunnar.
– Hannes. Toll euch kennenzulernen. Ich freue mich,
mit euch arbeiten zu dürfen. Ich bin sehr überrascht. Ich habe Frauen erwartet, aber
wir werden das Beste daraus machen. Das sind zwei tolle Kerle und
wir werden sicher gut klarkommen. Aber es gibt noch
eine zweite Überraschung. In was für einem Restaurant
arbeitet ihr? Restaurant? Wir sind beide Metzger.
– Oh. Und wir grillen und verkaufen
unsere Bratwürste. Aber wir sind vor allem Metzger. Okay, seid ihr bereit?
– Wir sind bereit. Perfekt. Sie sind noch etwas zurückhaltend,
aber sie werden schon auftauen. Am Ende werden sie richtig
explodieren und Gas geben. Am Bahnhof in Coburg warten auch Ralf und Christian
auf ihre neuen Mitarbeiter. Wow.
– Das scheinen sie zu sein. Hello.
– Hi. Hallo.
– Hello. Welcome to Franconia,
my name is Ralf. Willkommen in Franken,
dem schönsten Teil Deutschlands. Nice to meet you. Und ihr seid Bratwurstspezialisten? Nein? Ihr seid keine
Bratwurstspezialisten? Na, aber wir.
– Dann müsst ihr uns alles zeigen. Wir werden euch alles
Nötige beibringen. Wir sind gespannt. Ich glaube, die freuen sich,
dass wir da sind. Und wir sind auch glücklich
hier zu sein. Das wird toll. Wir sind bereit
für eine tolle Erfahrung. Ich glaube, die mögen uns.
– Hoffentlich. 20 Minuten dauert die Fahrt
vom Bahnhof nach Neustadt. Zeit für eine erste Einweisung
in den Job. Wir grillen auf offenem Feuer. Mein Mann würde das lieben. Wir müssen aufpassen, dass ihr
euch die Finger nicht verbrennt. Wir haben uns schon
so oft verbrannt. In Neustadt,
vor dem Lutherschen Betrieb, hat sich zur Begrüßung schon
die ganze Belegschaft versammelt. Wie die alle dastehen.
– Oh, wie toll. Wir sind so glücklich,
dass wir hier sein dürfen. Das ist euer Team
für diese Woche. Hi, Team. Wir sind hier,
um euch zu helfen. Darf ich euch meine Frau vorstellen? I’m Kimberly.
– I’m Michaela. Jetzt will Ralf seinen
Gästen noch etwas präsentieren: Die fränkische Bratwurst. Bitte, nehmt euch eine.
Probiert einfach mal. Genießt es. Der Metzger serviert seine Wurst
am liebsten pur, ohne Senf oder Ketchup. Das schmeckt absolut toll.
Das Aroma vom Holz. Wir haben weder Kohle
noch Holzgrill zu Hause. Es schmeckt so gut.
– Ja, wirklich. Auf dem Weg zum Restaurant
bestätigen sich für Gunnar und Hannes ein paar Klischees
über ihr Tauschland. Das sieht so aus,
wie ich’s mir vorgestellt hab: Alles weit und breite Straßen. Gentlemen, willkommen
im weltbekannten Parkette Drive-In. Das ist ja ein großes Schild. Wartet, bis ihr daruntersteht.
Es ist riesig. Auch wenn der Betrieb im Parkette
nie still steht, warten die Mitarbeiter in der Küche
schon auf die neuen Kollegen. Willkommen in der Küche
des Parkettes. Leute, sagt: “Hallo”.
– Welcome. Nice to meet you. Jetzt kriegt ihr zwei
eure neuen Uniformen. Die ist für dich. Und die ist für dich.
– Thank you. So, jetzt geht’s los.
Ihr habt Mützen, zieht die an. Dann geht euch umziehen
und ran an die Arbeit. Let’s go.
– Alright. Auch in Neustadt haben sich
die Tauscharbeiterinnen umgezogen. Hier sitzt noch nicht alles perfekt, aber sie sollen ja keine Modenschau
veranstalten, sondern Würste grillen. Günther, dann würden wir
dich mal ablösen. Ich habe unsere
neuen Mitarbeiter dabei. Unsere zwei Neuen wollen was machen. Come in and find out. Das ist eure neue Arbeitsstelle. It smells so good. Da ist die Kohle,
da ist der Grill. Und ihr seht, wenn sie fertig sind,
dann sind sie hart. Das könnt ihr fühlen. Da ist schon euer erster Kunde. Und der möchte gerne
zwei Bratwürste. Einmal eine Bratwurst. Eine Bratwurst. Langsam werden es immer mehr Kunden,
die Hunger haben. Und vergiss die Würste nicht.
Immer schön drehen. In Deutschland sagen wir “welgern”.
Die Bratwürste “welgern”. In Neustadt wird die Semmel
oben aufgeschnitten. Auch das müssen Kimberley
und Billie-Jean lernen. So, der nächste Kunde
kommt bestimmt. Ich denke,
das schafft ihr jetzt alleine. Ich gehe jetzt.
Ich hoffe, ihr habt Spaß. Passt auf das Feuer auf und dass ihr immer genug Würste
auf dem Grill habt. Verstanden.
– Viel Glück. Ich habe gelernt, wie man die Kohle
in den Grill schichtet, wie man das Brot
richtig aufschneidet und wie die Bratwurst
in das Brot gehört. Schau, wie toll die aussehen. Wunderschön. Das habe ich ganz schön
schnell gelernt. Na also, du kannst doch kochen. Hallo.
– Hello. Krieg ich von euch eine Bratwurst? Yes, Sir, one?
– One. Vor den kritischen Blicken des Kunden
bereiten die zwei Amerikanerinnen ihre erste Bratwurstsemmel
alleine zu. Und die scheint, gut anzukommen. Perfekt. Kommen Sie wieder und sagen Sie uns,
wie es geschmeckt hat. Danke. Bye.
– Danke, kommen Sie bald wieder. Wir sind noch die ganze Woche hier,
auch morgen. Hallo, Mädels. Wie war’s?
– Großartig. Wie sehen die Würste aus? Die ist ein bisschen dunkel.
– Ja, das war ich. Manche Leute mögen sie dunkel,
schon okay. Die ist sehr dunkel und deftig, aber mit der Zeit ist das
immer besser geworden. Außer dass ich eine Bratwurst
verbrannt habe, war es großartig. In Lexington sollen Gunnar und Hannes die Spezialität
des Hauses kennenlernen. Ihr müsst wissen,
wie unser Essen schmeckt. Also lasse ich euch
einen Burger probieren. Und dann werdet ihr
ihn selber zusammenbauen. Das sind die berühmten
Kentucky-Poor-Boys. Lasst es euch schmecken, Jungs. Genau, das sollen die beiden: Schmecken,
woraus der Poor-Boy besteht. Sonst können sie ihn später
nicht zubereiten. Ist das nicht ein leckerer Burger? Wirklich gut. Jetzt sollt ihr ihn
selber zubereiten. Lasst uns in die Küche gehen.
Mal sehen, wie ihr euch anstellt. Ich glaube,
das werden wir schaffen. Das kriegen wir hin. Zur Verfügung stehen: Brot, Toaster,
Salat und natürlich ein Grill. Keine weiteren Erklärungen?
– Nein, einfach mal loslegen. Die sind falsch rum. Soße irgendwie unten drauf? Sieht danach aus, oder? Ob das die richtige Wahl war? Wir hoffen, dass wir auf
dem richtigen Weg sind. Die haben keine Ahnung,
wie man den Burger richtig baut. Das wird wohl
eine lange Woche für sie. Es war Salat, Gurke
und eine Scheibe Zwiebeln. Salat war, glaube ich, nicht drauf. Ich glaub, schon.
Ich mach bei mir Salat drauf. Das sieht von der Größe
schon mal gut aus. So, das wäre unser Poor-Boy: Ich glaub,
wir haben viel Arbeit vor uns. Hannes, du hast keinen Salat drauf. Darüber würden sich
die Kunden beschweren. Er würde zurückkommen und
ich könnte ihn so nicht verkaufen. Gunnar, deiner ist besser.
Er hat alles drauf, die Sachen sind aber
in der falschen Reihenfolge, doch daran werden wir arbeiten. Ich hab mir das
leichter vorgestellt. Aber Randy legt viel Wert auf
Ordnung und so soll’s auch sein. Ich werde euch zum Glühen bringen
wie Donner und Blitz. Es ist Abend geworden in Bayern. Christian nimmt Kimberly und
Billie-Jean mit zu sich nach Hause. Sie dürfen während des Tauschs
bei ihm wohnen. Hi, welcome.
– Thank you. Das ist meine Frau, Michelle Hi, nice to meet you. Die eigentliche Überraschung
wartet jedoch im Keller. Hier hat sich Christian
einen Probenraum eingerichtet, denn nach der Arbeit
ist Christian Musiker. Okay, lasst uns
ein wenig Musik machen. Dass sie ihr Heim für zwei Fremde
öffnen, sagt viel über sie aus. Wir sind weit weg von zu Hause
und fühlen uns trotzdem wie daheim. Auch in den USA dürfen die Tauscharbeiter
bei ihrem Chef übernachten. Hi, guys. Nicht sofort trinken.
Ich will erst erklären, was es ist. Das ist ein spezielles Bier, es ist
direkt hier in Lexington gebraut. Doch noch ist für Hannes
und Gunnar nicht Feierabend. Ihr könnt gerne trinken
und entspannen, aber ihr müsst auch
die Speisekarten durchgehen. Da ihr auch kochen werdet,
erwarte ich von euch, dass ihr die ganze Karte kennt.
Also trinkt, genießt und lernt. Unser Ziel für Morgen ist,
die Sache zu rocken. Randy zu beweisen,
dass wir in der Lage sind, die Burger auswendig zu lernen. Und die beste Performance
abzuliefern. Der nächsten Morgen in Bayern. Kimberley und Billie-Jean sollen
nicht nur Bratwürste grillen, sondern auch lernen,
wie man sie herstellt. Neuland für die beiden
Amerikanerinnen. Ihr müsst nur hier ziehen. Und gleichzeitig hier
mit dem Knie dagegen drücken. Eine nach der anderen. Leichter gesagt als getan. Du musst das genauso zärtlich
anfassen wie ein Baby. Da lässt Billie-Jean
der Mama gerne den Vortritt. Du bist dran, Mama. Ganz einfach. Kimberley hat den Dreh
schneller raus. Aber auch ihre Würste
sind noch nicht perfekt. Zu kurz. Wenn es zu dick wird,
musst du das nach vorne schieben. Dann geht es leichter.
– Okay. Aber Modelmaße haben Kimberleys
Exemplare immer noch nicht. Das kommt weg.
Die ist zu dick, die kommt weg. Zieh es ein bisschen schneller raus,
dann wird sie länger. Das ist wirklich eine Kunst. Jetzt kommt auch noch
Seniorchef Ralf zur Kontrolle. Hallo, meine Damen, wie läuft’s? Alles nix geworden. Habt ihr die ersten Würste fertig?
– Ja, ein paar. Fürs Erste stellen die sich
auf keinen Fall dumm an. Das muss alles noch ein bisschen
schneller gehen, aber sie haben
noch etwas Zeit bei uns, um das zu trainieren
und zu beschleunigen. Ich zeig es dir noch mal. Juniorchef Christian flutschen
die Würste nur so von der Hand. Als Musiker hat er noch einen
besonderen Tipp für Kimberley. Du musst den Rhythmus spüren.
– Ich spür ihn. Tatsächlich, beim zweiten Mal funktioniert’s
schon deutlich besser. Es braucht Jahre, um das zu können,
meinst du nicht auch? Aber wenn du an zu Hause denkst,
da arbeiten wir auch so schnell. Perfekt, die ersten hundert Würste. In den USA müssen Hannes und Gunnar
jetzt beweisen, dass sie ihre Hausaufgaben
gemacht haben. Lasst uns mit dem Poor Boy starten,
das ist unser bekanntester Burger. Das Fleisch grillen wir zuerst,
dann nehmen wir das Brot. Learning by doing. Wenn man es ein paar Mal macht,
ist es einfacher, als wenn man es stur
auf der Karte liest. So sieht’s aus. Gut gemacht. Als Nächstes sollen die Bayern die Telefonbestellung der Kunden
aus dem Auto aufnehmen. Kollegin Charity zeigt, wie’s geht. Es ist wirklich einfach. Keine Sorge,
ihr habt das schnell drauf. Danke, dass Sie Parkette
gewählt haben. Was darf es sein? Einmal Kroketten mit Soße,
einen Parkette mit Pommes, zwei Falschen Wasser.
Für hier oder zum Mitnehmen? Total einfach, oder? Das schaut einfach aus,
wenn zehn Leute bestellen. Die drückt wild durch die Gegend
und dann funktioniert’s. Okay Jungs, ihr seid dran. Fuck. Einfach, oder?
– Ja, von wegen. Willkommen im Parkette,
wie kann ich helfen? * Eine Frau spricht und es rauscht.* Entschuldigung,
können Sie das wiederholen? Das geht ja gut los.
Doch Gunnar beißt sich durch. Möchten Sie Pommes, Kroketten
oder Zwiebelringe? Mit Randys Hilfe geht die Bestellung schließlich
doch noch korrekt ins System. Ich finde,
es ist schwer zu verstehen, was der Kunde will.
Das war das größte Problem. Und nicht zu wissen,
wo was in der Kasse steht. Völlig wild rumzudrücken
und keinen Überblick zu haben. Aber dann haben es
die zwei plötzlich raus. Donner und Blitz, ich wusste es. Bei uns auf der Arbeit
sagen die immer: “Man lernt am meisten, wenn man
ins kalte Wasser geschmissen wird.” Das war sehr kaltes Wasser hier.
– Ja, eiskalt. Jetzt aber schnell nach draußen, damit das Essen des Kunden
nicht auch kalt serviert wird. Für Anfänger haben sie es
wirklich gut gemacht. Sie haben auch noch
eine Menge zu lernen. Z. B. die Küche
allein zu schmeißen. Aber ich denke, sie werden
es schaffen und ihr Bestes geben. Vielen Dank,
lassen Sie es sich schmecken. Lasst uns wieder reingehen, damit ihr eure nächste Bestellung
machen könnt. Los geht’s. Am Bratautomat der Luthers
werden Bratwürste gegrillt, die anschließend eingeschweißt und fertig zum Verzehr
im Supermarkt verkauft werden. Das ist unser Bratautomat. Hier sollen Kimberley
und Billie-Jean jetzt mithelfen. Schnell, sonst fallen sie runter. Ich hab jetzt echt Respekt
vor unserem Burgerbrater daheim. Es ist schwierig, denn man muss
mit den anderen zusammenarbeiten und echt schnell sein,
damit sie nicht verbrennen und nicht runterfallen. Die sind noch nicht fertig.
Die müssen wir noch mal braten. Die Würste müssen mehrmals
über die Flammen rollen, um von allen Seiten
gleichmäßig gegrillt zu werden. Man braucht eine ziemlich gute
Koordination von Händen und Augen. Und man muss natürlich
auf das Feuer aufpassen. Wie läuft es? Großartig, aber es ist anstrengender
als das Befüllen der Würste. Das stimmt. Ich lass euch weitermachen.
Ihr macht das gut. Das Lob kam ein wenig zu früh. Ich hab eine fallen lassen. Ich fürchte, ich ein paar mehr. Aber ich glaub,
es hat keiner nachgezählt. Kimberly und Billie-Jean haben
noch ein paar Stunden Zeit, um ihre Technik zu verbessern. Am Abend sind Gunnar
und Hannes im Service eingeteilt. Eine neue Herausforderung
für die beiden Franken, denn Small-Talk mit den Kunden
ist hier Pflicht. Kollegin Spring soll ihnen helfen. Atme tief durch,
wenn du am Tisch stehst und versuch locker zu bleiben.
Dir muss nichts peinlich sein. Nach den letzten Tipps heißt es,
auf Kundschaft warten. Hello, welcome to the Parkette. Setzt euch hin.
Ich bin gleich bei euch. Die erste Begrüßung an der Tür
war okay. Jetzt bin ich echt gespannt,
wie sie sich am Tisch anstellen. Hannes soll die drei jungen Frauen
als Erster bedienen. Hey, my name is Hannes.
– Hi. Wart ihr schon einmal hier?
– Ja, waren wir. Okay, was würdet ihr gerne trinken? Dr. Pepper. I go … Ich kümmere mich um die Getränke.
– Bitte? Ich kümmere mich um die Getränke.
– Ich hole die Getränke. Ich gebe euch eine Minute,
um über die Karte zu schauen. Schaut auf die Karte
und ich komme gleich wieder. Klingt gut. Das war wirklich nicht ihr Ding.
Sie haben sich sehr unwohl gefühlt. Unsere amerikanische Art
ist einfach anders. Wir sind locker, offen,
schnell im Gespräch und man muss schon
extrovertiert sein. Also das Gegenteil von dem,
was sie sind. Dann frag, ob sie bereit sind,
zu bestellen. Seid ihr bereit zu bestellen oder
braucht ihr noch ein paar Minuten? Brauchen die jungen Frauen nicht.
Auf geht’s. Ihr könnt das. Ich werde das
aus euch herausholen. Wir kriegen die lockere Seite
von euch schon noch zu sehen. Richtig? Anfangs scheint es,
als ob Hannes recht behält. Stumm servieren die beiden Metzger
das Essen. Doch dann fällt Gunnar
der Pullover der Kundin auf. Du magst Marvel?
– Die liebe ich. Welcher ist dein Lieblingsheld?
– Captain Amerika. Captain Amerika?
Nein, auf keinen Fall. Ich bringe euch noch den Nachtisch,
sonst noch etwas? Das ist alles.
– Das ist alles? Okay. Gut gemacht. Das war ein gewaltiger Schritt
nach vorne. Er hat es geschafft,
alle in ein Gespräch zu verwickeln. Der ganze Tisch war begeistert. Damit die Amerikanerinnen
ein bisschen über Neustadt erfahren, haben Christian und Ralf
einen Ausflug ins Museum der Deutschen
Spielzeugindustrie organisiert. Schließlich trägt Neustadt auch den
Beinamen “Bayerische Puppenstadt”. Der Rundgang ist natürlich Chefsache. Museumsdirektor Udo Leidner-Haber
zeigt seine Schätze gerne. Hier könnt sehen, wie
die Puppenmaler gearbeitet haben. Sie haben Augenbrauen,
Lippen und Wangen gemalt. Das ist unglaublich. Das ist meine Großmutter.
– Wirklich? Ja, die zweite von rechts. Nun sollen auch Kimberley
und Billie-Jean kreativ werden. Ihr dürft euch jetzt
wie ein Teddy-Macher fühlen. Wirklich? Wurden früher die Teddybären
mit Stroh gestopft, darf es heute auch Watte sein. Das ist großartig. Ich liebe Kuscheltiere. Wer mag keine Teddybären? Das ganze Museum ist toll.
Ich hatte ja keine Vorstellung. So etwas habe ich
noch nie gesehen. Schau ihn dir an, er ist so süß. Wir müssen ihnen Namen geben.
– Christian und Ralf. Wie eure Chefs? Ja, die beiden haben
uns so oft überrascht. Aber dass sie uns heute
hierher gebracht haben, ist etwas Besonderes
und das bedeutet uns sehr viel. Auch Gunnar und Hannes
sollen nicht nur schuften. Nach Feierabend nimmt Kollegin Spring die beiden
Franken mit in ihre Stammkneipe. Chef Randy ist dort
ebenfalls Dauergast, aber nicht an der Theke,
sondern hinterm Mikro. Als Frontsänger der Gruppe “The Xs”. Ich bin wirklich baff.
Das ist der Wahnsinn hier zu sein. Egal, wo wir hinkommen, die Leute
sind offen, freundlich und nett. Jeder will wissen, was wir machen.
wie wir heißen, was wir in Deutschland tun,
was wir hier tun. Das ist der Wahnsinn,
das erlebt man nicht jeden Tag. Das sind Gunnar und Hannes,
aber ich nenne sie Donner und Blitz. Ich habe ihnen
die Speisekarte gegeben und sie haben sie komplett gelernt,
in nur einer Nacht. Ich habe Leute, die konnten
das nach vier Jahren noch nicht. ♪ They’re living it up
at the Hotel California. ♪ What a nice surprise.
What a nice surprise. ♪ Bring your alibis. Ich habe am Flughafen gesagt:
“Ich werde sie auflockern.” Und heute Abend war es so weit.
Sie haben gesungen, getanzt, das erste Mal Kentucky Bourbon
getrunken. Es ist mir eine Ehre,
dass ich sie kennenlernen durfte. In Neustadt ist Marktsamstag. Die Luthers sind hier
mit einem Imbiss-Stand vertreten. Den sollen Kimberley und Billie-Jean
heute eigenständig managen. Es ist eine Herausforderung.
Wir hoffen, es wird ein toller Tag. Hoffentlich ist viel los. Der Wunsch geht schnell in Erfüllung:
Die ersten Kunden warten bereits. Good morning. Schnell bildet sich eine Schlange
von hungrigen Marktbesuchern. Trotzdem müssen die beiden
Amerikanerinnen Ruhe bewahren. Lasst die Leute warten, wenn
die Würste noch nicht fertig sind. Die warten schon mal zwei Minuten
auf eine perfekte Bratwurst. Weg sollten am besten 400 Stück,
die hätten wir dabei. Die entsprechende Anzahl an Semmeln
hätten wir auch. Also die können ruhig
noch ein bisschen braten. Das tun Kimberley
und Billie-Jean dann auch fleißig. Eine Bratwurst. Danke. Danke.
– Danke schön, alles Gute. Die Kunden sind offenbar
zufrieden. Möchten Sie eine? Bitte.
– Thank you. Thank you. Eine schöne Rose. Ich glaube,
ich habe noch nie eine Rose von einem Fremden
auf der Straße bekommen. Das ist was Besonderes. Das zeigt dir, was für
liebe Menschen das hier sind. So motiviert geben die beiden
Amerikanerinnen gerne ihr Bestes. Alles gut?
– Ja. Hallo, Leute. Und wie sieht es aus? Wie viele Bratwürste
habt ihr schon verkauft? Vierhundert.
– Oh, wunderbar. Vielleicht 50, 60, 80? Viele. Habt ihr noch genug Brot?
– Einen halben Sack. Ich glaube, wir haben noch mehr. Und die werden auch gebraucht,
der Ansturm reißt nicht ab. Kimberly und Billie-Jean können sich nun stolz
Bratwurstbraterinnen nennen. Danke für Ihre Geduld.
– Gerne. Ich hoffe, sie sind stolz auf uns
hier und zu Hause in Amerika. Wir sind dankbar
für die Möglichkeit, die wir hatten. Es war wunderbar. So, wie geht’s euch?
– Gut. Das habt ihr toll gemacht heute. Es hat viel Spaß gemacht.
– Ja, wir lieben es. Kommt zurück, dann könnt
ihr jeden Samstag grillen. Ja, die haben eine gute Entwicklung
hingelegt die Woche. Ich hätte es am Anfang
nicht geglaubt, dass wir das super managen.
Die Leute waren auch alle zufrieden. Ja, die haben ihr Zeug
richtig gut gemacht. Am nächsten Tag steht auch
Gunnar und Hannes in Lexington die größte Herausforderung
der Woche bevor: Sie sollen die Küche managen. Jetzt gehört die Küche euch.
Seid nicht nervös. Aber denkt immer dran, das gesamte
Restaurant hängt von euch ab. Okay, Mannschaft.
Ihr könnt Pause machen. Meine Freunde aus Bayern
übernehmen jetzt. Viel Glück. Ich möchte Gunnar hier in der Mitte. er soll die Leitung übernehmen,
weil er besser kommunizieren kann. Und Hannes ist toll darin,
Anweisungen auszuführen. Gunnar soll den Überblick behalten
und Hannes machen lassen. So kriegt man Blitz und Donner. Die erste Bestellung für Hannes:
Zwei Poor-Boy-Burger. Wo sind meine Poor Boys?
Hey Blitz, da fehlt noch was. Das ist ein Poor-Boy. Auch Gunnar kriegt sein Fett weg. Donner, dein Platz ist hier. Heute ist Samstag,
das Wetter ist gut. Die Leute sind unterwegs,
hier wird es gleich hoch hergehen. Tatsächlich: mit einem Schlag
ist das Restaurant voll. Gunnar und Hannes kommen
mit den Bestellungen kaum nach. Ich brauch die sechzehn.
Und dann noch zwei Becher Soße. Kümmer dich um das Fleisch,
dreh es um. Du musst hier bitte 7, 6, 1, 6
eintippen. Schaut nach den Pommes.
Verbrennen die Pommes? Hier ist jetzt richtig was los. Ich musste ihnen Hilfe
reinschicken. Sie werden gerade etwas überfahren,
aber sie halten tapfer die Stellung. Aber dann wird es so voll,
dass auch Randy mithelfen muss. Okay, wir packen das. In der Küche wird jetzt
jede Hand gebraucht. Pommes, Kroketten und Zwiebelringe. Einfach immer nachlegen,
bis ich dir was anderes sage. Alright. Das ist fantastisch.
Hier geht’s richtig ab. Ich bin begeistert. Donner und Blitz bringen Glück.
Vielleicht behalte ich sie. Hannes und Gunnar beißen sich durch
und arbeiten gut mit. Zu Hause ist das nicht so extrem.
Das ist Wahnsinn, was hier abgeht. Ich bin sehr glücklich, dass die
Bayern das so toll gemacht haben. Sie haben Hand in Hand
mit meiner Mannschaft gearbeitet und sich sofort ins Team integriert. Sie haben sich richtig reingehängt
und hart gearbeitet. Endlich ist der Ansturm vorbei. Nun ist es Zeit für Hannes
und Gunnar, Abschied zu nehmen. Kommt alle her. Dass wir gehen müssen,
fällt einem schwer. Es waren schöne Tage,
die wir hier verbringen durften. Mit dem Randy war das
eine Wahnsinnswoche gewesen. Das war eine coole Zeit. Die Leute
sind einem ans Herz gewachsen. Aber ich glaube,
man sieht sich noch mal im Leben. Es war eine unglaubliche Zeit
mit euch. Ich habe das Gefühl,
dass ihr in den wenigen Tagen zu Freunden
oder gar Familie geworden seid. Wir möchten, dass ihr Lexington
als euer Zuhause anseht. Ihr seid hier und in meinem Haus
immer willkommen. Thanks everybody. Wir hatten von Anfang an
einen Draht zueinander. Ich bin froh,
dass ich sie kennengelernt habe. Als Menschen, als Kollegen,
als Freunde. Ich bin mir ganz sicher,
dass wir in Verbindung bleiben. Auch in Bayern
geht die Woche zu Ende. Ralf und Christian wollen den Abschied auf einer Hütte
nahe Neustadt feiern. Wir haben gelernt,
wie man Bratwurst grillt, sie herstellt, sie verkauft. Wir haben sie gegessen,
den Kunden serviert. Das war ziemlich cool,
dafür sind wir auch hergekommen. Aber dabei haben wir viele sehr
besondere Menschen kennengelernt. Ich glaube, wir haben Freunde
fürs Leben gefunden. Prost. Ich danke jedem einzelnen von euch. Ihr habt diese Woche
großartig gemacht. Entschuldigt,
ich will gar nicht weinen, denn das ist kein Lebewohl. Ich komme definitiv zurück,
wenn ihr mich noch mal lasst. Danke aus tiefstem Herzen. Und jeder ist nach Kentucky
eingeladen. Es war eine sehr schöne Woche
mit den beiden. Wir hatten sehr viel Spaß. Sie haben auch
eine gute Arbeit gemacht. Deswegen waren sie eigentlich da: Zum Arbeiten,
nicht nur zum Spaß haben. Wir haben neue Freundschaften
gefunden. Eine ganz tolle Sache. Die zwei wachsen
einem schnell ans Herz. Und das ist jetzt traurig. Ich wünsche euch alles Gute. Es war eine wirklich tolle Zeit. Bleibt gesund. Vergesst nicht: Wir lieben euch. Untertitelung: BR 2019